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Trauer um das geliebte Tier - Warum nicht mehr Tierfriedhöfe?
Ein Tier ist ein Tier?
In Frankfurt am Main ist mehr als zehn Jahre um einen Tierfriedhof gekämpft worden. Kein Argument war zu dumm, als dass es nicht zur Ablehnung herhalten musste. Im Grunde wurde von den Gegnern einer solchen Anlage nur eins gesagt: Ein Tier ist ein Tier, und wenn es tot ist, kann man sich ja ein neues ins Haus holen - wenn man denn schon unbedingt Tiere haben will!
Als ob es um einen alten Pullover oder ein durchgerostetes Fahrrad ginge.
Vor zwei Jahren wurde im Frankfurter Stadtteil Rödelheim endlich doch ein Tierfriedhof für Frankfurt und Umgebung eingerichtet. Und zwar auf einem ursprünglich wenig attraktiven Gelände zwischen S-Bahn-Gleisen, Autobahn und Schrebergärten, auf einem Gelände also, mit dem man ansonsten nicht viel anfangen konnte. Innerhalb dieser kurzen Zeit ist der geradezu idyllische Tierfriedhof aber für viele Menschen zu einem Ort geworden, 'an den sie gern hingehen', um unseren Kanzler zu zitieren. Auf dem 8 000 Quadratmeter großen Areal - im Grunde nur eine große Wiese mit viel Grün drum herum - sind nun bereits fünfhundert Tiergräber zu finden. Hier liegen Hunde, Katzen, Vögel, Kaninchen, Ratten und Hamster begraben, eben die Tiere, die mit dem Menschen das Haus oder die Wohnung und eigentlich das Leben teilen.
Der Tierfriedhof wird vom Tierschutzverein Frankfurt betreut. Sein Geschäftsführer Karl Hofmann sagt, ein Tierfriedhof sei ein unbedingtes Muss für eine Großstadt. Früher hätte praktisch jeden Tag jemand angerufen und wissen wollen, wo er oder sie ihr Tier begraben könnten und immer hätte er antworten müssen: Kann ich Ihnen leider auch nicht sagen! Die meisten Anrufer seien bei dem Gedanken, dass ihr toter Liebling in einer 'Tierkörperverwertungs-Anstalt' landen könne, entsetzt gewesen.
Aus dem einen Gräberfeld, mit dem man begonnen hat, sind inzwischen drei geworden; nun wird bereits das vierte eingerichtet. Innerhalb von zwei Jahren! Die Gräber sind nicht einheitlich. Man kann sein Tier entweder einfach in der Rasenfläche begraben oder sich ein individuelles Grab mit Holzeinfassung kaufen. Die kleinere Variante - für kleine Tiere eben - kostet für drei Jahre 450 Mark, das große 550 Mark. Diese Gräber kann man mit einem Grabstein, mit Blumen- oder sonstigen Schmuck zieren. Den trauernden Hinterbliebenen werden da kaum Vorschriften gemacht - nur religiöse Symbole sind nicht erlaubt. Es gibt bei der Bestattung auch keine Zeremonien, immerhin werden - auf Wunsch - einige Worte am Grab gesprochen, ehe der Pappsarg in die Erde gelassen wird.
Herrchen und Frauchen, auch die Kinder, die ein Tier verloren haben, sind froh und dankbar, dass es einen Platz gibt, an denen sie um ihr geliebtes Tier trauern oder sich an es erinnern können. Entsprechend sieht man oft Fotos oder liebevoll gemalte Zeichnungen auf den Grabtafeln. Ein bisschen Kitsch ist auch dabei - niemanden stört's. Die Gräber (im allgemeinen etwa einen halben Quadratmeter groß) werden unglaublich liebevoll umhegt. Natürlich findet man hier vor allem ältere Menschen; sie sprechen gern über das Tier, das sie verloren haben. Viele haben erstaunlich dramatische Geschichten zu erzählen, andere melancholische. Am Ende stehen Erzählern wie Zuhörern die Tränen in den Augen.
Tiere verbinden eben. Auch tote.
Quelle: Magazin der Tierfreunde Nr. 5'99 Seite 3
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