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Faszination Aquaristik

Naturnah wohnen mit Zierfischen

von Antje Schreiber

31. Oktober 2002

Zurück zur Sinnlichkeit: Das ist der Trend, auf den die Gesellschaft laut Zukunftsforschern zusteuert. An der Lust aufs Aquarium zeigt sich dieser Lebensstil besonders gut. Die beschauliche Unterwasserwelt im Glaskasten gilt schon lange nicht mehr als spießiges Altherrenhobby. Zierfische wirken beruhigend und sind auch noch exotisch und dekorativ.

Das Aquarium als Heimkino

Das Aquarium ist ein kleines Biotop. Tiere und Pflanzen, ja selbst unverzichtbare, wichtige Bakterien leben hier zusammen, sind im Idealfall gut aufeinander "eingespielt" und ergänzen sich gegenseitig. Es ist spannend, die Fische beim Streit ums Futter, der Brutpflege oder bei der Aufzucht der Jungen zu beobachten. Die farbenfrohen Wassertiere können erstaunlich zahm werden, mitunter fressen sie sogar aus der Hand. Kein Wunder, daß immer mehr gestreßte Großstädter das Aquarium als Oase im Alltagsstreß genießen. Oder, um es mit den Worten des Popstars Elton John zu sagen, dieses "Heimkino ist effektiver als jede Sitzung beim Psychotherapeuten." Auch die Medizin besinnt sich auf die faszinierende Unterwasser-Welt als Naturheilmittel. Ärzte richten sie in ihren Praxen ein, weil wissenschaftliche Untersuchungen belegen, daß sich beim Betrachten der gleitenden Bewegungen der Wasserbewohner und Pflanzen die Blutgefäße erweitern, der Blutdruck und die Herzfrequenz sinken.

Verantwortung für eine kleine Welt

Der ZZF rät, sich vor der Anschaffung von Zierfischen im Fachgeschäft oder mit Hilfe von Literatur über die Bedürfnisse der Tiere zu informieren: "An Fischen, die unüberlegt gekauft werden, hat der Tierfreund schnell keine Freude mehr. Aquarianer sollten sich der Verantwortung bewußt sein, die sie für diese lebendige Welt und ihre Bewohner übernommen haben", mahnt ZZF-Präsident Klaus Oechsner. Auch Berufstätige und vielbeschäftigte Tierfreunde können sich mit der Aquaristik beschäftigen. Zeitschaltuhr und moderne Futterautomaten machen es möglich, daß man die Fischbecken einige Tage allein lassen kann.

Beim Kauf des Aquariums hat der zukünftige Aquarianer die Qual der Wahl zwischen Standardbecken mit und ohne Unterschrank, Aquarien mit Holzverkleidung, passend zur Wohnungseinrichtung, und exklusiven Anlagen in Sonderanfertigung. "Vor allem Eck-Aquarien in modernem Design und Panorama-Aquarien mit abgeschrägten Seitenscheiben liegen im Trend", so Michael Hartl, Abteilungsleiter Meerwasseraquaristik des Fachgeschäftes Zoo-Center Welke in Lünen. Für den Anfang empfiehlt ZZF-Präsident Oechsner ein Becken in den Größen 80x40x40 cm bis 100x40x40 cm. Bei einem kleineren 60-cm-Set ist die Planung der Einrichtung besonders wichtig: "Ausprobieren für wenig Geld geht zu fünfzig Prozent schief. Je kleiner das Aquarium ist, desto schwieriger ist es, die optimale Wasserqualität zu erhalten." Die Haltung von vielen und großen Fischen in zu kleinen Becken sei zudem Tierquälerei. "Neon-Schwärme oder große Skalare haben im 60-cm-Becken nicht genug Platz." Sein Richtwert: Pro cm Größe des ausgewachsenen Fisches ein Liter Wasser einplanen.

Aquaristik ist kein Hexenwerk

Die wichtigste Voraussetzung für die gelungene Zierfischhaltung ist ein Quentchen Geduld: Bevor Fische ins Wasser dürfen, muß das Becken zwölf bis vierzehn Tage lang vollständig eingerichtet und bepflanzt sein. Nur so kann sich im Wasser ein biologisches Gleichgewicht einstellen. Eine Beleuchtungseinrichtung ist für das Wachstum der Pflanzen unverzichtbar. Je nach Art des Biotops müssen die Lichtfarbe und die Beleuchtungsdauer eingestellt sein. Neben einfachen Leuchtstofflampen gibt es Hochleistungs-Leuchtstoffröhren, die sich dimmen lassen und so einen natürlichen Sonnenauf- und Untergang simulieren.

Neben dem Beleuchtungssystem verfügt ein normales tropisches Süßwasseraquarium über einen Filter, das dem Wasser ungelöste und gelöste Abfallstoffe entzieht, einen Regelheizer und ein Thermometer. Klingt kompliziert und technisch, ist aber laut Klaus Oechsner kein Hexenwerk: "Wenn Anfänger sich vor dem Kauf eines Aquariums gut im Fachhandel beraten lassen und auf große und empfindliche Fische verzichten, macht die Beschäftigung mit der Aquaristik viel Spaß und wenig Arbeit."

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