Krankheiten bei Garnelenvon Michael Wolfinger 11. April 2007 Über Krankheiten von Garnelen ist in der Aquaristik bisher nur wenig bekannt. Und das, obwohl Garnelenhalter die Erfahrung machen, daß jede Veränderung der Umgebungsverhältnisse Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Tiere hat.
Viele Krankheitserreger und Bakterien sind ein natürlicher und ständiger Bestandteil des Lebensraumes und verursachen im Normalfall, bei optimalen Bedingungen, keine Erkrankungen. Die gesunde Garnele ist in der Lage, durch ihr Immunsystem diese Krankheitserreger unter Kontrolle zu halten. Wird dieses Gleichgewicht nun beispielsweise durch Stress, durch Unterdrückungen von Artgenossen, durch schlechte Wasserqualität und Veränderungen der Wasserwerte oder durch Verletzungen des Panzers gestört, wird das Immunsystem geschwächt. Dann erhalten Bakterien und Pilze eine große Angriffsfläche, die durch optimale Haltung und regelmäßigen Wasserwechsel weitgehend reduziert werden könnte.
Leider können wir hier nicht auf alle Krankheiten bis ins Detail eingehen. Im Folgenden zählen wir daher die häufigsten Krankheiten bei Garnelen auf:
Vergiftungen
Vergiftungen zeigen sich häufig dadurch, daß viele Garnelen sterben, nachdem man kurz zuvor Veränderungen am Aquarium vorgenommen hat. Seien es ein Wasserwechsel, das Hinzusetzen neu erworbener Aquarienpflanzen oder Tiere oder die Zugabe von Medikamenten. Die Tiere werden träge oder apathisch und sterben innerhalb weniger Stunden. Vergiftungen können z.B. durch kupferhaltige Medikamente, Flüssigdünger, Kupferrückstände beim Wasserwechsel, durch Wasserleitungen und durch zu hohe Nitrit-, Nitrat-, Ammoniak- oder Phosphatwerte auftreten. Darüber hinaus können die Tiere durch zu frühes Einsetzen in nicht eingefahrene Aquarien vergiftet werden (schlechte Wasserwerte).
Allein aus diesen Gründen sind ein regelmäßiger Wasserwechsel und die gelegentliche Kontrolle der Wasserwerte wichtig. Aber auch falsche Haltungsbedingungen wie zu hohe Besatzdichte, zu viel Futter, Verwesen unbemerkt gestorbener Tiere, der Einsatz neuerworbener Pflanzen oder Fäulnis im Bodengrund führen manchmal zu Vergiftungen. Auch durch äußere Einflüsse z.B. durch Chlor, Wasch- und Putzmittel, Insektenvernichtungsmittel und Kupfer können starke, oft tödliche, Schädigungen auftreten. Garnelen reagieren schon bei geringen Mengen von Kupfer empfindlich, was bereits ganzen Garnelenstämmen das Leben gekostet hat. Liegt eine Vergiftung bei Garnelen vor, muss schnell gehandelt werden. Der Aquarianer sollte sofort 50% bis 80% des Wassers wechseln und einen Wasseraufbereiter zugeben.
Bakterielle Mischinfektionen
Eine der häufigsten Todesursachen bei Garnelen sind bakterielle Infektionen. Bakterien findet man überall. Dabei unterscheidet man nützliche, harmlose (apathogene) Bakterien und krankheitserregende (pathogene) Bakterien. Auch bei Garnelen kommen beide Bakterienarten vor, wobei die nützlichen Bakterien überwiegen und die krankheitserregenden Bakterien in geringer Anzahl vorkommen und bei gesunden Tieren keinen Schaden anrichten.
Wird das Immunsystem einer Garnele geschwächt, vermehren sich die krankheitserregenden Bakterien ungehindert. Dies geschieht vor allem bei Stress z.B. durch den Transport oder bei Verletzungen. In Verbindung mit zu wenig Wasserwechsel treten bei Garnelen immer wieder verschiedene bakterielle Mischinfektionen auf. Unter bakterieller Mischinfektion versteht man eine Vielzahl von Ansammlungen unterschiedlicher Bakterienarten, die je nach Art der Bakterien unterschiedliche Krankheiten und Krankheitssymptome hervorrufen können.
Äußere bakterielle Infektionen
Äußere Infektionen kommen bei Garnelen hauptsächlich am Schwanzfächer sowie an den Antennen und Schreitbeinen vor. Hierbei zeigen sich rosa-orange bis braune Flecken mit teilweise oder gänzlich zerfransten Antennen oder Schwanzfächern. Man kann dies auch mit den Symptomen der Flossenfäule bei Fischen vergleichen. Bei frühzeitiger Erkennung und verbesserten Haltungsbedingungen bekommt man die Krankheit gut in den Griff. Bei massiv auftretendem Befall kann ein antibakteriell wirkendes Medikament wie Furanol von JBL oder Chloramphenicol (0,8g/50 Liter) zur Unterstützung mit ins Aquariumwasser zugegeben werden. Tiere, deren Schwanzfächer komplett zerfressen ist, haben normalerweise keine Überlebenschance.

Innere bakterielle Infektionen
Für innere Infektionen gibt sehr viele unterschiedliche Symptome. Zum Beispiel kann eine orange Verfärbung des Hinterleibs und des Rückens auftreten, die sich innerhalb von ein paar Stunden von oben nach unten über den ganzen Körper ausbreitet. Auch plötzlich auftretende Verluste mit oder ohne vorherigem Farbverlust einzelner Tiere oder eine weiße Verfärbung nur des Hinterteils, können Anzeichen einer inneren Infektion sein. Meist sterben hierbei nie mehr als 1-2 Tiere täglich, sondern über Tage und Wochen immer nur nach und nach einzelne. Bei einer inneren Infektion kann eine große Anzahl von unterschiedlichen Bakterien sowohl in den Organen als auch im Muskelfleisch nachgewiesen werden. Mit einem großzügigen Wasserwechsel in kurzen Abständen und Zugabe eines antibakteriellen Medikamentes (siehe unter äußere Infektionen) können Garnelenhalter eine Ausbreitung der Bakterien unterbinden. Ebenfalls hilfreich ist es, verstorbene Tiere sofort zu entfernen, um Kannibalismus und so eine Übertragung der Krankheit zu verhindern.

Porzellankrankheit (Mikrosporidien)
Die Porzellankrankheit tritt hauptsächlich nur bei neu importierten Garnelen auf. Es konnte bisher nicht nachgewiesen werden, dass diese Krankheit in einem bereits etablierten Garnelenstamm aufgetreten ist. Die Krankheit wird mit importierten Garnelen eingeschleppt und bricht dann bedingt durch den Transportstress und der damit verbundenen Schwächung des Immunsystemes aus.
Bei dem Erreger der Porzellankrankheit handelt es sich um einen einzelligen Parasiten namens Microsporid Thelohania contejani, der in den Muskeln der Garnelen lebt. Dieser einzellige Parasit greift die Muskeln des Wirtes an, welcher dadurch immer mehr in der Bewegung eingeschränkt wird. Die Garnele wird langsamer bis zur vollkommenen Erstarrung, die dann zum Tode führt.
Befallene Tiere zeigen als erste Symptome Farbverluste und werden vom Kopf an milchig weiß, was sich innerhalb kürzester Zeit über den gesamten Körper verbreitet. Die Gliedmaßen werden steif und unbeweglich. Später können sie nur noch ihre Schwimmbeinpaare bewegen. Nach ein par Stunden liegen sie auf der Seite. Die Tiere versuchen noch zu schwimmen, kommen aber nicht mehr voran und wirbeln orientierungslos in Kreisbewegungen durchs Wasser. Zu diesen Zeitpunkt können sie nur noch ihre Maxillipeden (Mundwerkzeuge) bewegen. Tiere mit solchen Symptomen sollten sofort aus dem Becken entfernt werden, da durch Kannibalismus und den Verzehr eigener Artgenossen der Erreger übertragen wird. Eine effektive Behandlungsmethode ist bisher nicht bekannt. In früheren Versuchen wurden Medizinflocken von Tetra, in denen Malachitgrünoxalat enthalten ist, verwendet. Sie wurden damals unter anderem bei der Behandlung von Ichthyo bei Zierfischen angewandt.
Milchkrankheit (Myxosporidien)
Diese Krankheit wird durch Myxosporidien hervorgerufen, die die Garnele regelrecht von innen auffressen. Myxosporidien sind einzellige Parasiten und kommen auch oft bei Fischen vor. Myxosporidien sind sehr hartnäckig, und eine effektive Behandlung ist derzeit noch nicht bekannt. Behandlungsversuche wurden zwar mit verschiedenen Penizillinen aus der Humanmedizin gemacht, was den Krankheitsverlauf bei infizierten Garnelen zwar verlangsamte aber nicht aufhielt.

Erkrankte Tiere erkennt man an der Körperveränderung: Sie werden komplett milchig vom Kopf (Cephalon) bis zum Schwanzfächer (Telson). Diese Symptome treten überwiegend bei verschiedenen durchsichtigen Arten wie Glasgarnelen und Nashorngarnelen-Arten auf. Tiere mit diesen Symptomen sterben meist innerhalb kürzester Zeit. Wenn gesunde Garnele tote Tiere fressen, bekommen sie kurz darauf die gleichen Symptome. Daher ist es ratsam, auch hier zu versuchen, verstorbene Tiere schnellstmöglich aus dem Aquarium zu entfernen.
Pilzinfektionen
Eine Infektion durch Mykosen (Pilze), ist äußerlich mit bloßen Auge zu erkennen. Symptome eines äußerlichen Pilzbefalles hervorgerufen durch Achlya und Saprolegnia sind sehr unterschiedlich und als wattebauschähnlicher weißer Belag oder hellgrünen fadenartigen Wucherungen auf Panzer und Abdomen zu erkennen. Hierbei können hellgrüne bis gelbe Wucherungen am Unterleib und den Schwimmbeinpaaren oder im Kopfbereich und den Augen als wattebauschähnliche Büschel auftreten. Wird ein Pilzbefall nicht behandelt, können im weiteren Verlauf, durch so genannte Sporen, nach und nach auch die inneren Organe bewuchert werden, wobei totes oder schon angegriffenes Gewebe zuerst befallen wird. Aus den Sporen entstehen so genannte Pilzhypen, die in das tote Gewebe eindringen und mit giftigen Enzymen, die an den Garnelenorganismus abgegeben werden, die Zellen auflösen. Eine Behandlung mit Cillex von Brustmann oder Fungol von JBL, mit angegebener Dosierung des Herstellers, bekommt man eine Pilzerkrankung gut in den Griff.

Metazoen (Würmer)
In der Natur kommen Würmer gelegentlich auf Garnelen und Krebsen vor, die scheinbar gesunde Garnelen aber nicht weiter stören. Da es unzählbar viele Wurmarten und -unterarten gibt und die meisten bisher noch nicht bestimmt wurden, ist es jedoch schwer, die einzelnen Würmer nach Gattung und Art zuzuordnen. Auch bei Garnelen und Krebsen im Aquarium können immer wieder verschiedene Würmer festgestellt werden, die sowohl auf als auch unter dem Panzer zu finden sind. Würmer sind normalerweise sehr wirtspezifisch und befallen meist nur eine Art im Aquarium, während eine andere Garnelenart im gleichen Aquarium meist vollkommen parasitenfrei bleibt. Im Aquarium haben wir auf bzw. in den Garnelen schon Saug- und Hakenwürmer gefunden.
Saugwürmer
Saugwürmer gehören zu den Tremadoden. Bei einigen Garnelenarten konnten auch schon unter dem Carapax Eier gefunden werden, die dort von den Saugwürmern abgelegt wurden und sich dort weiterentwickelten. Ob und inwieweit Saugwürmer für Garnelen gefährlich sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht definitiv beantwortet werden. Es wird vermutet, dass Garnelen für diese nur als Zwischenwirte dienen, da die Garnelen problemlos mit den Würmern leben können und in einer Art Symbiose leben.
Hakenwürmer
Anders sieht es bei Hakenwürmern aus. Diese befinden sich meist unter dem Panzer oder in den Organen der Garnelen. Hakenwürmer gehören zum Stamm der Fadenwürmer (Nematoden) und besitzen eine Mundplatte, die, wie der Name schon sagt, mit Haken versehen ist. In großer Anzahl können Hakenwürmer die Organe von Garnelen durchaus mit ihren Hakenkränzen oder Hakenzähnen so massiv schädigen, das diese einen unheilbarer Schaden anrichten können. Sie durchbohren mit Ihren Haken die Darmschleimhaut des Darmes, von der die Würmer sich dann ernähren und weiter vermehren können.
Schluss
Weitere Informationen: http://www.Garnelenkrankheiten.de
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