Klares "Ja" zum Zentralverband am 28. September 1947
Der Fachzweig "Zoologischer Handlungen" der Frankfurter Handelskammer - eine Interimsorganisation für die nach dem Krieg aufgelösten Wirtschaftsgruppen - lud am 28. September 1947 zu einer ersten überregionalen Besprechung über die Zukunft des westdeutschen Zoohandels ein. Aus 12 Städten, die in der amerikanischen, englischen oder französischen Zone lagen, waren insgesamt 25 Versammlungsteilnehmer angereist. Darunter Großhändler und Fabrikanten. Die Branche braucht einen Zusammenschluß, das war allen Beteiligten klar. Walter Schreiter, Stuttgart, beantragte schließlich, einen Fachverband für Westdeutschland mit Sitz in Frankfurt, unter Angliederung der Fachzweige der einzelnen Länder" zu gründen. "Dieser Vorschlag des Kollegen Schreiter wurde einstimmig angenommen." So lautete die Eintragung ins Versammlungsprotokoll, das Adolf Köhler, Frankfurt, führte. Das war die Geburtsstunde des Zentralverbandes.
Den Vorsitz übernahm Karl Schwarz, Frankfurt, zu seinem Stellvertreter bestimmte man Rudolf Altrock, Wiesbaden. Aus dem kleinen Kreis entstand (zunächst mit Unterstützung der "Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels", die damals in Frankfurt ihren Sitz hatte später mit eigener Geschäftsführung) der Zentralverband zoologischer Fachgeschäfte Deutschlands. Außer der überwiegenden Zahl aller deutschen Zoofachhändler waren auch ihre Lieferanten unter den Mitgliedern: Großhändler, Hersteller, Züchter. Außerdem schickten die Staatliche Vogelwarte Frankfurt und die Zentralstelle für Naturschutz- und Landschaftspflege, Bonn, ihre Vertreter.
Am 23. Mai 1949 - am Verfassungstag - gab sich der "Zentralverband" in Frankfurt ein "Grundgesetz". Der Verbandszweck wurde bestimmt. Jetzt war das Ziel klar: Man wollte die Berufsorganisation der Heimtierbranche der Bundesrepublik Deutschland werden, um die wirtschaftlichen, beruflichen und sozialpolitischen Interessen der Mitglieder vertreten zu können. Branchenangehörige aus 20 westdeutschen Städten nahmen an der Versammlung teil. Themen wie Normierung der Vogelkäfige und unzureichende Versorgung mit Wasserflöhen wurden unter anderen auch behandelt.
Die Jahresversammlungen von 1948 bis 1953 fanden sämtlich in Frankfurt am Main statt; sie entwickelten sich aus Delegiertensitzungen, wie sie in der Vorkriegszeit üblich waren, zu immer umfassenderen Mitgliederzusammenkünften. In den Jahren 1954 in Essen, 1955 in Köln und 1956 in Hamburg fanden Verbandstage statt, die auch außerhalb der Branche beachtet wurden. Eine im Wiederaufbau begriffene Zoobranche konnte ohne Übertreibung sagen, daß damit ein Hauptzweck des fachlichen Zusammenschlusses erreicht worden war. Auch in den Friedensjahren vor und nach dem ersten Weltkrieg hatten die Fachgemeinschaft des Zoohandels und ihre Lieferanten solche Verbandstage und öffentlichen Veranstaltungen nicht gekannt.
Es ging auch darum, Landesverbände aufzubauen. Hessen spielte 1948 den Vorreiter, in Frankfurt konsolidierte sich einer der ersten Landesverbände: Neben Karl Schwarz wurden Rudolf Altrock und Emil Haas aktiv. Man diskutierte über kooperative Mitgliedschaft bei Tierschutzvereinen. Gefordert wurde die Fachhandelsgenehmigung. Hans Brustmann aus Erbach im Rheingau. der zur Fabrikantenseite gehörte, hatte die Adressen von Zoofachhändlern aufgelistet, um der Organisation Zulauf über Frankfurt hinaus zu verschaffen.
In Württemberg baute Walter Schreiter, Stuttgart, eine regionale Verbandsorganisation auf. Landesverbände gründeten sich auch in Bayern, Bremen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, am Nordrhein und in Westfalen. Zu den Männern der ersten Stunde gehörten: J. Artmeier, München; Ramsperger, Bremen-Hemelingen; Otto Möller, Ahlen; H. Ringelberg, Köln; Ernst Schanzenbächer, Ludwigshafen und Fritz Seitner, Buer in Westfalen.
Die Überarbeitung des Reichsnaturschutzgesetzes stand an. Er wurde erwartet, daß der Rechtsausschuß der damals existierenden Zentralstelle für Naturschutz den Auftrag bekommt, sich über eine Gesetzesnovelle Gedanken zu machen. Im gleichen Zuge waren Naturschutzverordnungen vorgesehen. Der Verband bat seine Mitglieder, dazu Vorschläge aus der Praxis zu machen, um sie der Zentralstelle für Naturschutz unterbreiten zu können. Der "Zoologische Zentralanzeiger", gerade wiedererstanden, wurde als Verbandsorgan in Aussicht genommen.
An das Frankfurt jener Jahre erinnert sich Emil Haas, heute Ehrenpräsident des ZZF, mit Wehmut. Haas, der lange Zeit an der Seite des aufgerückten Rudolf Altrocks der Vize des Verbandes war und später zum ersten Präsidenten gewählt wurde (nachdem man die Bezeichnung "Vorsitzender" ausgetauscht hatte), lobt die Kameradschaft jener Jahre. In den allerbesten Lagen fanden sich die Geschäfte von Händlern, die "alles andere waren als Geschäftemacher", sagt Haas. Man traf sich in aller Herrgottsfrühe an den alten Nidda-Armen, um gemeinsam Wasserflöhe zu fangen. Die etwa 30 Frankfurter Zoofachhändler, die ein reges Verbandsleben pflegten, tauschten untereinander Nachzuchten: Fische gegen Wellensittiche.
Doch Frankfurt war die große Ausnahme, in den übrigen Großstädten der damaligen Bundesrepublik und auf dem flachen Land hatte der Zentralverband sehr viel weniger Mitglieder. Das hatte viel mit den Schrecken des Zweiten Weltkriegs zu tun. Zu viele Zoofachhandlungen waren zerstört worden. Aber auch in Hamburg, einst Hochburg des zoologischen Handels, war organisatorisch nicht alles zum besten bestellt. Vorübergehend gab es dort zwei konkurrierende Verbände. Zoohändler waren - und sind es noch heute - ausgesprochene Individualisten.
In den 50er Jahren entstanden in Westdeutschland bedeutende Zoohandlungen häufig Familienbetriebe, nach Vorkriegsart gestrickt. In Großstädten wie Hamburg, Kiel, Mainz, München, Stuttgart, Köln, Mannheim oder Frankfurt suchten die Kollegen untereinander Kontakt. Sie fanden ihn im Zentralverband.
Die 60er Jahre wurden aufregend. Der Landesverband Hamburg trat aus dem "Zentralverband" aus. Grund: Man wollte sich nicht an den steigenden Kosten der zentralen Verbandsarbeit beteiligen, verlangte einen Sonderstatus für Hamburg. Einige Hamburger Zoo-Einzelhandelsunternehmen und Großhändler blieben als Einzelmitglieder dem Zentralverband treu. Der Wiederanschluß Hamburgs erfolgte erst am 9. Mai 1972, nachdem der Vorsitzende des Verbandes Zoologischer Fachgeschäfte Norddeutschlands, Erwin Lück, die "Notwendigkeit eines geschlossenen Auftretens" einsah, wie Werner Stammert, Kassel, formulierte, damals stellvertretender Vorsitzender des Zentralverbandes. Man begrub die "Ressentiments aus vergangenen Jahren". Was sich auch dadurch ausdrückte, daß die Wiederanschluß-Sitzung erst "gegen Mitternacht" endete, wie ausdrücklich im Protokoll vermerkt.
Ende 1969 stellte Verbandsgeschäftsführer Dr. Tripp mit Stolz fest, daß der Verband "zur Schlichtungsstelle für Differenzen" geworden ist. Großhändler und Fabrikanten unterwarfen sich der Schlichtung der Verbandsgremien. Immer mehr Mitglieder erkannten die Vorteile, sich bei Schwierigkeiten mit Behörden, Lieferanten oder auch Kunden den Rat des Verbandes einzuholen. In den 60er Jahren traten auch sehr viele neue Mitglieder ein. Im Jahr 1969 begrüßte man 50 Zoofachhändler, neun Großhändler und drei Hersteller neu in eigenen Reihen.
Weiter zu: Berlin und Hamburg - die Vorkriegshochburgen des zoologischen Handels
|