Auf Tapeziertischen nahm die INTERZOO ihren Anfang
Die Geschichte der Messe des Zentralverbandes, die sich zur größten der Welt mausern sollte, nahm auf Tapeziertischen ihren Anfang: Am Rande des "Verbandstags", die jährliche Versammlung der Zoofachhändler in Frankfurt, fanden sich 1950 vier Aussteller, die ihre Waren präsentierten, um den Verbandstag attraktiver zu machen.
"Zoo-Börse" nannte man die Warenpräsentation, die sich auch 1951 und 1952 noch sehr bescheiden ausnahm. Bemerkenswert: Die Nachfrage überstieg das Angebot bei weitem. Das änderte sich bereits am 26. April 1953 als die dritte "Zoobörse" (diesmal ohne Bindestrich) organisiert wurde. Der Zoologische Zentralanzeiger zählte hundert Händler aus 40 Orten des damaligen Bundesgebiets und Berlins. Die Zoobörse machte Appetit auf mehr. Der ZZA schrieb über diese Veranstaltung: "Es gibt Lederwaren-, Seifen- und Maschinenmessen: warum also keine Zoomesse?" Die Frage war wohl rhetorisch gemeint, diente als Rückenstütze und wurde auch so verstanden.
In den Folgejahren wurde der Zusatz "Börse" gestrichen. Die "Zoo-Messe" entwickelte sich zunächst als Wanderveranstaltung: 1954 Essen, 1955 Köln, 1956 Hamburg. Ein Jahr später, 1957, kehrte die Messe nach Frankfurt am Main zurück. 1959 wurde im Kongreßsaal auf dem Frankfurter Messegelände der internationale Durchbruch geschafft: Unter den 58 ausstellenden Firmen befanden sich mehrere holländische. Einkäufer kamen aus acht europäischen Ländern, einige sogar aus Übersee. In Frankfurt hatte der damalige stellvertretende Präsident des Verbandes, Emil Haas, Gelegenheit, eine Heimtierschau aufzubauen. Dazu stellte er aus den Beständen seiner eigenen Zoohandlung Kleintiere, wie sie in den Fachgeschäften angeboten werden, zur Verfügung. Der große Beifall gab Veranlassung, von nun an eine solche Schau regelmäßig zu veranstalten.
In der Zwischenzeit schrieb man das "ZOO" in Großbuchstaben und hängte das Wort "BÖRSE" wieder an. Es kam wieder zur Zusammenlegung von Messe und Generalversammlung, weil sich das "bestens bewährt" habe. So wie sich die Zoo-Branche mit zunehmendem Wohlstand der Bevölkerung entwickelte, so stieg auch die Bedeutung und der Umfang der Zoo-Messe. Zum Ausklang fand jeweils ein Tanzabend statt, auf der "die tanzfreudige Jugend nicht zu kurz" gekommen sein soll. Das Bedürfnis nach Geselligkeit im Kollegenkreis war groß.
 Die 60er Jahre brachten aber auch den Umzug der Messe nach Wiesbaden - und ihre Etablierung dort. Nach dreijähriger Pause fand 1962 die 7. Zoo-Messe statt. Jetzt wurde der Zweijahresrhythmus beschlossen. Mit Hilfe einer Fragebogenaktion erkundete der Verband die Wünsche der Aussteller und Besucher. Obenan stand der Wunsch, nicht mehr von Stadt zu Stadt zu wandern, einen Turnus einzuhalten und so international wie nur möglich zu werden. So waren denn 1964 auf der Wiesbadener Zoo-Messe bereits Aussteller aus 17 Ländern vertreten. 1964 sah die noch so aus: Die Hersteller von Vogelheimen standen im Mittelpunkt. Man fand groß und prächtig, was sie zu bieten hatten. Von Meerwasseraquaristik war die Rede: "Was hier an tropischen Fischen gezeigt wurde, dürfte selbst ein Schauaquarium von Weltruf kaum aufzuweisen haben", schrieb der ZZA. Ab 1966 übernahm die frisch gegründete Wirtschaftsgemeinschaft GmbH des ZZF alle geschäftlichen Aktivitäten des Verbandes. Die GmbH organisierte von nun an auch die Zoo-Messen.
Mit dem Frankfurter Emil Haas als ZZF-Vorsitzendem und seinem Stellvertreter Josef Claas, Viersen (Rudolf Altrock war in der Zwischenzeit Ehrenvorsitzender) nahm die Wiesbadener Messe in den 70er Jahren neue Dimensionen an. Der Name INTERZOO war geboren, bürgerte sich ein. Ihr Veranstaltungstermin wurde in den Mai gelegt. Erstmals nahmen die Vertreter aus Politik und Publizistik von der Messe Notiz. Hessens Wirtschaftsminister Heinz Herbert Karry, Emil Haas später freundschaftlich verbunden, eröffnete 1972 die 12. Zoomesse, international wie nie: 200 Aussteller aus 12 Ländern, circa 5.000 Besucher, mindestens so international wie die Aussteller. "Heimtierhaltung aus wirtschaftspolitischer Sicht" hieß das Thema der Karry-Rede, Presse und Rundfunk berichteten. Wiesbaden liegt genau richtig", befand Dr. Tripp anläßlich der INTERZOO 1974. Und : "Eine Messe ist heute ein durch nichts zu ersetzendes Kommunikationsmittel, vergleichbar nur mit den Massenmedien, Fernsehen, Rundfunk und Zeitungen. Eine Messe ist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überhaupt nicht mehr wegzudenken."
Der "Zoologische Zentral Anzeiger" füllte in der Rückschau auf die 78er Messe seine Seiten mit vielen Messebildern, die zeigten, daß die Messe damals zu den gestalteten Ausstellungsständen gefunden hatte. Alles noch nicht so professionell gestylt wie heute, doch ein Anfang war gemacht. Und auf dem Titelblatt war ein besonders eindrucksvolles Foto zu sehen: Staatsminister Karry und Präsident Emil Haas betreten Seite an Seite die Rhein-Main-Halle. Wiesbaden. das war im Rückblick für viele Aussteller und erst recht Ausstellungsbesucher, auch ein gesellschaftliches Ereignis. Man traf sich zur Geselligkeit im Kurhaus, in großer Robe.
Die INTERZOO 1982 verzeichnete 309 Aussteller aus 15 Ländern. Bei der Eröffnung stellte Staatsminister Klaus Hoffie fest, daß 50 Prozent aller Haushalte ein Heimtier besitzen. Der damalige Wirtschaftsdezernent der Stadt Wiesbaden, Rolf-Dieter Gmeiner, dankte den Veranstaltern und den Ausstellern, daß sie Wiesbaden trotz der mittlerweile beengten Verhältnisse in den Rhein-Main-Hallen die Treue bewiesen hätten. Gmeiner verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß bis zur INTERZOO 1984 die Erweiterung der Wiesbadener Kongreß- und Messehalle über die Bühne gegangen sei. Die Erweiterung fand auch statt, wie von Stadtrat Gmeiner versprochen. Die Messe wuchs, mit ihr die Sorgen der Branche. Die Tierhaltung sah man erstmals bedroht, Beeinträchtigungen des Tierimports aus den USA. Ostasien und Australien wurden gemeldet. Dr. Tripp und Emil Haas riefen gemeinsam dazu auf, die internationale Organisation zu stärken: "Zur Abwehr der drohenden Gefahren muß in Zukunft viel getan werden."
Zur technischen Durchführung der Messen stand bis zur 13. INTERZOO im Jahr 1974 Karl Schiller (Mitarbeiter im Büro Dr. Tripp) nebenberuflich zur Verfügung: die 14., 15., 16. INTERZOO gehörten zum Arbeitsgebiet von Jürgen Buresch und für die 17. bis 20., also bis einschließlich der ersten Messe in Nürnberg, war Dipl. Ing. Peter Seewald, assistiert von Marika Sztipanovics, hauptberuflich mit großem Erfolg tätig. Buresch. mal Reporter beim Nordwestdeutschen Rundfunk und später Werbemann der Lebensmittelbranche. hatte in den 60er Jahren bereits Fachmessen betreut. Vergessen werden darf nicht das Engagement im Messeausschuß, in dem Firmeninhaber ehrenamtlich vertreten, sich und viel Zeit dem Messegeschehen zur Verfügung stellen. Hier sind vor allen Dingen die langjährigen Ausschußvorsitzenden Hermann Sprenger und nach 1980 dessen Nachfolger Hans Brustmann zu nennen, sowie der derzeitige Messeausschuß-Vorsitzende Hans Jochen Büngener. der als einer der großen Architekten der INTERZOO gilt. Die organisatorische Seite der INTERZOO hat heute die Messegesellschaft Nürnberg übernommen. Die Verbindung zwischen Messegesellschaft und Wirtschaftsgemeinschaft stellt Marika Sztipanovics her.
Zur Geschichte der INTERZOO gehört auch die Erwähnung der Schirmherren. Der erste war der Wiesbadener Oberbürgermeister, es folgten die hessischen Wirtschaftsminister, zuletzt Heinz Herbert Karry, der später ermordet wurde. Dann übernahmen der parlamentarische Staatssekretär Georg Gallus und schließlich der Bundesminister für Landwirtschaft und Forsten, Ignaz Kiechle, die Schirmherrschaft. Für Nürnberg wurde als Schirmherr Wohnungsbauminister Dr. Oscar Schneider gewonnen. Daß sich Bundesminister als Schirmherren zur Verfügung stellen, ließ auf die wachsende Bedeutung der Messe und dieser Branche schließen.
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Zu Beginn der Präsidentschaft von Bollhöfer war der Entschluß gefallen, für die INTERZOO des Jahres 1988 den Schauplatz Nürnberg zu wählen. Das Ausstellerpotential war am Messeschauplatz Wiesbaden ausgeschöpft. Die Messe sollte international wachsen und das konnte sie nur an einem Messeplatz wie Nürnberg. Dort gab es eine Messegesellschaft mit dem notwendigen Know-how, aber auch die gewünschten Ausstellungskapazitäten. So wurde das Jahr 1988 zum Jahr der kompromißlose Wende: Die INTERZOO verließ Wiesbaden, weil die Rhein-Main-Halle die Aussteller aus dem In- und Ausland, die auf die Messe drängten, nicht mehr aufnehmen konnte. Im internationalen Vergleich hatte die 19. INTERZOO, die letzte Messe in Wiesbaden, bereits eine Relativierung erfahren. Die Führungsposition, die sie sich die INTERZOO aufgebaut hatte, schien sie nicht halten zu können. Heimtiermessen im Ausland nahmen an Bedeutung zu, die INTERZOO geriet in die Defensive. Wie dringend ein Standortwechsel war und wie richtig die Entscheidung für das moderne Messezentrum in Nürnberg, zeigt ein Vergleich der Zahlen der letzten Wiesbadener Messe 1986 und der INTERZOO '88 in Nürnberg: 1988 präsentierten weit über 400 Aussteller auf über 16.000 Quadratmetern Stand-Nettofläche ihre Produkte. Das bedeutete ein Anwachsen der Netto-Ausstellungsfläche gegenüber 1986 um 41 Prozent und einen Zuwachs an Ausstellern um die 26 Prozent. Die durchschnittliche Standgröße wuchs um 13 Prozent.
Die Einstellung der Industrie zur INTERZOO hatte einen deutlichen Wandel erfahren und damit die Ansprüche an diese Messe. Denn die 20. INTERZOO konnte nicht mehr gemessen werden mit den etwas hausbackenen Maßstäben der früheren INTERZOO-Veranstaltungen, also mit "Wiesbadener Maßstäben". In den 80er Jahren war einiges in Bewegung geraten in der internationalen - besonders aber in der deutschen Fachhandelszene. Damit stand die INTERZOO in Nürnberg vor der größten Herausforderung ihrer langjährigen Geschichte. Es stellte sich die Frage: Wird die INTERZOO von einem zukunftsorientierten Messekonzept getragen, das kompetente antworten bereithält auf die drängenden Fragen und Problemstellungen des sich geradezu rasant verändernden Marktes? Damals tauchten neue Vertriebswege und veränderte Angebotsformen auf. Allerdings konnte man sich damals noch schwerlich vorstellen, wo die Veränderungen einmal hinführen sollten.
Mit dem Umzug nach Nürnberg wurde klar: Es muß den Veranstaltern gelingen, das Marktgeschehen quasi mit dem "Weitwinkelobjektiv ' zu erfassen und sich frei von Berührungsängsten de' Diskussion um die neuen Vertriebsformen zu stellen. Wird das vorbildlich ausgerüstete Messezentrum Nürnberg mit allen Funktions- und Serviceeinrichtungen wieder Boden gutmachen, ja sogar richtungweisende Maßstäbe setzen? In Nürnberg stand die Nagelprobe für die Institution INTERZOO an. Wird es dort gelingen, aus einer "Fachausstellung für zoologische Bedarfsartikel" ein international renommiertes Messeforum für den modernen Zoofachhandel zu machen? Mit Sicherheit wird in Nürnberg die größte, schönste und informativste INTERZOO seit langer Zeit stattfinden. Kurz gesagt: eine Messe für jeden Zoofachhändler!" (Zitat aus einem Artikel zur Messe von Hans Braun, dem Geschäftsführer der Firma Wagner und Keller, dem Sprecher des damals neugegründeten Arbeitskreises "Vogelhaltung".) Es war Präsident Herbert Bollhöfer, der die 20. INTERZOO eröffnete. Tradition wolle man bewahren, aber auch einen Neuanfang wagen, so Bollhöfer. Ein wenig Bedauern darüber schwang mit, daß der überschaubare, familiäre Charakter der Messe verloren gegangen war. Doch bewährte Gepflogenheiten nahm man nach Nürnberg mit.
Wie richtig die Entscheidung für Nürnberg war, ließ sich an einer einzigen Jahreszahl festmachen: 1990 stieg die Zahl der ausländischen Direktaussteller überproportional. Es war das Jahr, in dem auch der Eiserne Vorhang fiel. Nürnberg, einst am Rande der Bundesrepublik, lag plötzlich mittendrin. Auch mitten in einem Europa, in dem die Grenzen durchlässiger geworden waren. War Wiesbaden die alte Mitte, so ist Nürnberg die neue, die in die Zukunft wies. Nürnberg als Drehscheibe zwischen Ost und West.: Es begann der unaufhaltsame Siegeszug der INTERZOO zur weltweiten Leitmesse der Heimtierbranche.
Die "internationalste INTERZOO, die es je gab", so beschrieb Hans-Jochen Büngener, Vorsitzender des ZZF-Messeausschusses, die 22. Leitmesse der Heimtierbranche im Jahr 1992. Bayerns Wirtschaftsminister Dr. August R. Lang nannte die Nürnberger Zusammenkunft von Industrie, Großhandel und Handel aus aller Welt das "Messeereignis schlechthin". Zehn Prozent mehr Aussteller als 1990 diese Steigerung fand der damalige ZZF-Präsident Herbert Bollhöfer beachtlich: "Das steigende Ausstellerinteresse ist Indikator für eine gesunde und vorwärtsgerichtete Branche. Letztlich Folge einer unverminderten wachsenden Bedeutung der Partnerschaft von Mensch und Tier." Das zehnprozentige Wachstum der INTERZOO 1992 war für Büngener "kein Wert an sich". Wichtig sei allein der Charakter der Messe, ihre programmierte Entwicklung zum weltweiten Marktplatz der Branche, zum einzigartigen Umschlagplatz für Ideen und Meinungen. Wirtschaftsminister Dr. Lang wies damals auf die Tradition des Messeplatzes Nürnberg hin, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Er prophezeite, daß sich die Handelsströme, die durch die Frankenmetropole ziehen, sich noch weiter verstärken werden, mit der Entstehung des größten Binnenmarktes der Welt.
Im Jahr 1994 trat in Nürnberg ein, was keiner für möglich hielt: Es gab gegenüber der INTERZOO 1992 noch einmal einen gewaltigen Zuwachs an Ausstellern und Ausstellungsfläche. Deutlich wurde das zunehmende Interesse nicht-europäischer Unternehmen am weltweiten Heimtiermarkt. Waren die USA allein mit 65 Ausstellern (einem Plus von 20 Prozent gegenüber 1992) vertreten, gefolgt von Großbritannien mit 64 Ausstellern (plus 33 Prozent) so war Italien mit 43, die Niederlande mit 34 und Frankreich mit 25 Firmen präsent. Auch Australien legte mächtig zu: von zwei auf elf Aussteller.
Die 24. INTERZOO im Jahr 1996 brach alle Rekorde: Die Zahl der Aussteller und die Ausstellungsfläche wuchs noch einmal. Doch es traf noch etwas ein, was keiner erwartet hatte: 21.000 Fachbesucher kamen nach Nürnberg - damit wurde eine Traummarke überschritten. Mit einer Besuchersteigerung um rund 16 Prozent gegenüber 1994 hatte niemand rechnen können. Denn nach wie vor gilt der Satz, daß sich Fachbesucher nicht beliebig vermehren lassen. Wo kam das Plus also her? Messeausschuß-Vorsitzender Büngener: "Die Steigerung war bei den ausländischen Besuchern zu suchen." Kamen 1964 noch 60 Prozent der Besucher aus dem Inland und nur 40 Prozent aus dem Ausland, so änderte sich das 1996 stark. Sehr viele Osteuropäer besuchten Nürnberg und die INTERZOO, Zoofachhändler und Hersteller der Branche, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zunächst ihre Märkte zu ordnen hatten und erstmals bei der 24. INTERZOO in großer Zahl in Erscheinung traten. Insgesamt wurde eine höhere Besucherfrequenz festgestellt. Die Branchenangehörigen nahmen sich für den Messebesuch oft drei Tage Zeit. Auch die nachfolgenden INTERZOO-Messen konnten die Position der INTERZOO als Leitmesse der weltweiten Heimtierbranche eindrucksvoll ausbauen.
Grundsätzlich bringt der Charakter "Leitmesse" mit sich, daß nahezu jedes Produkt auf der INTERZOO gezeigt wird, das irgendwo auf der Welt Marktchancen hat. Auch das Hundehalsband mit den Brillanten, mit dem ein Vierbeiner durch die Fifth Avenue in New York geführt wird.
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