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Fachpresse 24.10.2018> Presse-Download

ZZF-Symposium 2018: Alles für die Katz'!


Auf dem 23. Fachsymposium des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe e.V. stand die Katze als beliebtestes Heimtier in Deutschland im Mittelpunkt. Bei der gemeinsamen Veranstaltung des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte e.V., des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte e.V. und des ZZF diskutierten am vergangenen Wochenende rund 90 Tierärzte, Zoofachhändler und andere Experten der Heimtierbranche in Kassel zum Thema „Alles für die Katz'!“

Die Fachtierärztin Dr. Petra Kölle (Oberärztin für Ernährungsberatung an der Kleintierklinik der LMU München) referierte in ihrem Eröffnungsvortrag über die Domestikation, Anatomie und Physiologie der Katze. Sie ging hierbei insbesondere auf die Züchtung neuer Rassen und damit entstandener Probleme ein und konstatierte: „Gerade bei denen sich immer größer werdender Beliebtheit erfreuender Hybridkatzen (Hauskatze mit Wildkatze verpaart) kommt es häufig zu Totgeburten, oder sie sind aufgrund des ererbten Verhaltens für die Wohnungshaltung ungeeignet.“

In ihrem zweiten Vortrag stellte Dr. Petra Kölle die Vor- und Nachteile einer Barf-Ernährung der Katze gegenüber. Sie berichtete in diesem Zusammenhang von ihrer aktuellen Studie zur Haltung und Fütterung von Katzen in deutschen Haushalten mit knapp 5.000 Katzenhaltern, unter denen auch 300 Rohfütterer seien. Durchschnittlich seien deren Tiere eher jüngere, schlanke Rassekatzen in Wohnungshaltung. Sie betonte, dass sie Barfen aus Hygienegründen dann nicht empfehlen könne, wenn immunsupprimierte Personen im Haushalt lebten.

Die Diplom-Biologin Dr. Willa Bohnet (Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Zoologie) erläuterte den Symposiumsteilnehmern das Jagd- und Fressverhalten der Hauskatze, die als „Krönung der Spezialisierung als Beutegreifer“ gelte, ermöglicht unter anderem durch drehbare Handgelenke, einzeln bewegliche Zehen, die Krallen und besonders gutes Sehen, Riechen und Hören.

Sie räumte zudem mit der häufigen Annahme auf, dass eine Katze bei guter Fütterung nicht jage. Das Gegenteil sei der Fall: „Die Katze jagt erfolgreicher und motivierter, wenn sie ausreichend Grundnahrung erhält“, konstatierte die Biologin. Beutetiere seien vornehmlich Mäuse, die bevorzugt an einem ruhigen, geschützten Platz im unmittelbaren Wohnbereich oder an Ort und Stelle des Fangs gefressen werden. Für Wohnungskatzen gelte, unterschiedliche Geschmacksrichtungen seien für viele Katzen attraktiv.

In ihrem zweiten Vortrag setzte sich Dr. Willa Bohnet mit der Frage „Wohnungskatze oder Freigänger?“ auseinander. Ob eine Wohnungskatze artgerecht gehalten werden könne, hänge stark von etwaigen Partnerkatzen und der Beschäftigungszeit mit Bezugspersonen ab. Verhaltensprobleme wie Aggression und Unsauberkeit könnten eine Folge von Wohnungshaltung sein ohne Befriedigung der wesentlichen Grundbedürfnisse sein.

Sowohl in der Wohnung als auch im Freigang lauerten zahlreiche – wenn auch unterschiedliche – Gefahrquellen, auf die der Tierhalter achten müsse. Sei es beim Freigänger eine potenzielle Gefahr, überfahren zu werden, könnten sich in Wohnungen lebende Katzen an Pflanzen und Putzmitteln vergiften oder in einem gekippten Fenster verenden.

Auch der Frage, ob aus einem Freigänger eine reine Wohnungskatze gemacht werden könne, ging sie nach. „Dies ist – unter bestimmten Voraussetzungen – bei weiblichen, sehr jungen oder alten Tieren möglich“, so Dr. Bohnet. Eine Alternative könne der kontrollierte Freigang in Form eines katzensicher eingezäunten Außenbereichs sein.

Bedarfsgerechte Fütterung
Wie bedarfsgerechte Fütterung in der Praxis aussieht, erklärte Dr. Julia Fritz (Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik, napfcheck). Sie verglich in ihrem ersten Vortrag verschiedene Fütterungsempfehlungen und wies darauf hin, dass dem Katzenhalter verdeutlicht werden müsse, dass die jeweils angegebene Futtermenge nach Ideal- und nicht Ist-Gewicht zugeteilt werden muss. In diesem Zusammenhang hob sie insbesondere das Problem von übergewichtigen Tieren hervor und empfahl als Lösungsstrategie hierfür bessere Anleitungen und Hilfestellungen für Katzenhalter gemeinschaftlich durch Hersteller, Tierärzte und Züchter.

Im zweiten Vortrag stellte sie die verschiedenen Futtervarianten und deren Herstellungsprozesse vor. Nach wissenschaftlichen Umfragen würden die meisten Katzen in Deutschland mit Trocken- und Nassfutter mischgefüttert.

Die Expertin warf einen Blick auf das verbreitete, fehlende Verständnis gegenüber Kohlenhydraten bzw. Getreide im Katzenfutter. „Stärke ist für Katzen ein möglicher Energielieferant“ so Dr. Fritz. Anhand von Beispielen zeigte sie auf, welche Nährstoffe bei Über- oder Unterdosierung im Futter kritisch sind. Gegen eine rein vegane Ernährung von Katzen sprach sie sich vehement aus.

Katzengerechte Wohnung und Zubehör

Einen Einblick in die katzengerecht ausgestattete Wohnung warf zu Beginn des zweiten Veranstaltungstages die Fachtierärztin für Kleintiere, Dr. Angelika Drensler. Besonders hob sie dabei die Wichtigkeit einer Umgebung hervor, die den Geruchsinn der Katze respektiere. So seien beispielsweise eine Raucherwohnung oder stark parfümierte Personen katastrophal für die extrem geruchssensiblen Tiere. „Die Schlüsselressourcen müssen alle möglichst weit voneinander getrennt sein: Futter- und Wasserplatz, Katzentoilette und Kratzbaum“, erklärte Dr. Drensler. Auch ein „sicherer Platz“ in Form einer Höhle oder eines anderen Unterschlupfs sollte in jedem Katzenhaushalt vorhanden sein.

Anschließend zeigte sie den Teilnehmern auf, welches Zubehör sich für die Katzenhaltung eigne und welches nicht. Zu den Futterautomaten habe sie ein ambivalentes Verhältnis, sie seien definitiv nicht für die Versorgung über mehrere Tage hinweg geeignet. Trinkbrunnen befürwortet sie, sieht jedoch häufig ein Problem in der Lautstärke vieler Geräte.

Ein neues, wünschenswertes Produkt ist ihrer Ansicht nach eine Katzentoilette für Katzensenioren mit weichem, flexiblem Einstieg. Beim Spielen gelte es zu beachten, dass Laserpointer bei der Samtpfote oftmals zur Frustration führen, weil der „Jagderfolg“ grundsätzlich ausbliebe.

„Ein Kratzbaum für die Katze sollte sowohl senkrechte als auch waagrechte Möglichkeiten zum Kratzen bieten, die senkrechte der Größe der dabei gestreckten Katze angepasst“, weiß die Expertin. Zusätzlich seien weitere Kratzmöglichkeiten an strategisch wichtigen Punkten wie an Durchgängen bedeutsam.

In der abschließenden Podiumsdiskussion „Katzenhaltung ist ganz einfach?“, in die auch die Teilnehmer einbezogen waren, vertieften alle Referenten des Symposiums einzelne Aspekte aus den Vorträgen.

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Gruppenfoto:
Hintere Reihe von links: Jörg Turk (Stv. ZZF-Geschäftsführer), Dr. Angelika Drensler (Fachtierärztin Kleintiere), Dr. Petra Sindern (Vizepräsidentin bpt), Dr. Petra Kölle (Oberärztin Ernährungsberatung Kleintierklinik LMU München), Dr. Christine Bothmann (Vizepräsidentin BbT)
Vordere Reihe von links: Dr. Julia Fritz (Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik (napfcheck), Dr. Willa Bohnet (Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Zoologie), Norbert Holthenrich (ZZF-Präsident)


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