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Positivlisten schaden der Heimtierhaltung


Einige Tierschutzorganisationen treten für die Einführung einer Positivliste für Heimtiere ein. Auch die SPD-Bundestagsfraktion tritt in einem Positionspapier Tierschutz vom 17.6.15 für die Einführung einer Positivliste für Tiere ein, „die in Deutschland legal  gehalten  werden  dürfen  (Heim  und  Wild).  Solche  Listen  gibt  es bereits in mehreren EU-Staaten (Belgien/Niederlande)." Der ZZF lehnt die Positivliste als ungeeignetes Instrument zur Stärkung des Tier- und Artenschutzes für Heimtiere und als Heimtiere gehaltene Wildtiere ab.

1. Notwendigkeit der Maßnahme

Die Einführung einer Positivliste würde die Freiheit von Tierfreunden, eine Tierart auszuwählen, die sie tiergerecht halten können, massiv einschränken. Denn eine entscheidende Voraussetzung für das Leben mit Heimtieren ist der Handel mit sogenannten Wildtieren. Seit Einführung des Bundesnaturschutzgesetzes (Kap 5, § 39) bzw. der Fauna Flora Habitat-Richtlinie, die die Entnahme von Tieren aus unserer Natur verbietet, kommen nur noch Tiere aus fremden Ländern als Heimtiere in Betracht.

Die Heimtierbranche beschäftigt sich daher seit jeher mit der Frage, welche Tiere für ein Zusammenleben mit dem Menschen geeignet sind, welche eingeführt und nachgezogen werden sollten und können. Die Notwendigkeit der Einführung einer Positivliste wurde bisher fachlich nicht belegt: Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Heimtiersektor ein Bereich der Tierhaltung wäre, in dem Verstöße gegen das deutsche Tierschutzgesetz besonders häufig vorkommen würden. Darüber hinaus gibt es keinen Beleg, dass die Einführung einer Positivliste den Tierschutz im Heimtierbereich fördern würde. Der ZZF stellt daher in Frage, ob die Maßnahme verhältnismäßig wäre und einen so großen Eingriff in die Handlungsfreiheit und Entfaltungsfreiheit des Menschen rechtfertigt.

Die Heimtierbranche verfügt über Erfahrung bei der Einführung von Heimtieren. Meist kommt die Branche aufgrund von Erfahrungen mit einer Tierart zu dem Ergebnis, ob sie für die Heimtierhaltung geeignet oder nicht geeignet ist. Normative Aussagen helfen bei diesem Prozess nicht. Daher kann aus Sicht des ZZF eine Positivliste nicht zu einer tierschutzgerechten Heimtierhaltung beitragen. Der ZZF hat aus diesem Grund bereits vor 25 Jahren eine Negativliste mit ungeeigneten Heimtierarten eingeführt.

2. Schlechtes Beispiel Niederlande

Die SPD führt als Vorbild für die Einführung einer Positivliste die Niederlande an. Aber gerade der Versuch in den Niederlanden verdeutlicht, dass es schwierig bis gar nicht durchführbar ist, Kriterien zu entwickeln, die den Tierschutz stärken und nach denen eine Auswahl von geeigneten Heimtierarten erfolgt.

Laut der niederländischen Positivliste für Säugetiere www.exotische-kleinsäuger.de/52.html dürfen Nerze und Wasserbüffel gehalten werden, aber für Roborowski und Campbell Hamster benötigt man eine Genehmigung. Der Dschungarische Zwerghamster, eine beliebte nachgezüchtete Heimtierart, die durchaus artgerecht zu halten ist, ist in den Niederlanden sogar gänzlich verboten! Auf welcher wissenschaftlichen Erkenntnis beruht es, dass Wasserbüffel frei gehalten werden können, Degus aber verboten sind? Die Büffel sind doch sicherlich aufgrund von Größe und Kraft als deutlich schwieriger zu halten einzustufen als die gut zu haltenden südamerikanischen Nager.

3) Sinnvolle Kriterien sind schwer festzulegen

Gerechte, sinnvolle Kriterien für die Aufnahme in die Positivliste sind schwer aufzustellen.

Beispiel Risiko: Jede Heimtierhaltung und jedes Zusammenleben mit Menschen birgt das Risiko, dass man sich an einer Krankheit ansteckt. Reptilien stehen in dem Ruf, besonders gefährlich für den Menschen zu sein. Wissenschaftliche Studien belegen dies nicht! Von Reptilien werden nicht mehr Krankheiten auf den Menschen übertragen als von Hund und Katze! Pferde verursachen nachweislich jedes Jahr eine Vielzahl von teils tödlichen Unfällen.

Beispiel Haltungsbedingungen: Beliebte Hunde wie Bernhardiner stellen aufgrund ihrer Größe besondere Ansprüche an die Haltung, Windhunde, besonders aus dem spanischen Raum, sind nicht an unsere Winter angepasst und bedürfen zusätzlichen Wetterschutz. Dennoch haben die meisten Tierschutzorganisationen nicht Bernhardiner oder Windhunde vor Augen, wenn sie von der Notwendigkeit einer Positivliste sprechen. Sie denken an Terrarientiere, von denen die meisten im Handel erhältlichen jedoch ungefährlich sind, also weder giftig noch zu kräftig und viele sind bereits etablierte Heimtiere. Weit mehr als die Hälfte der Terrarientiere im Zoofachhandel sind als Nachzuchten erhältlich. Für handelsrelevante Arten gibt es das erforderliche Futter und die erforderliche Technik zur Gestaltung der tiergerechten Lebensräume.

4) Wissenschaftliche Studien keine Voraussetzung

Wissenschaftliche Studien zur Haltung von Heimtieren können keine Voraussetzung für die Aufnahme in die Positivliste sein. Dies hätte die Abschaffung von 90 Prozent der Heimtierarten zur Folge, weil die Forschung nicht finanziert werden könnte. Die Branche kann nicht für rund 450 verschiedene Heimtierarten plus 40.000 Zierfischarten und für jede neue mögliche Art erst ein Gutachten anfertigen lassen. Der Wildtierhandel ist kein "Mega-Business" mit astronomischen Gewinnmargen und die Weiterentwicklung der Heimtierhaltung würde gestoppt. Und das, obwohl es aus Tier- und Artenschutzgründen von Vorteil wäre, wenn die Heimtierhaltung sich nicht auf wenige Arten beschränken würde, was zuweilen eine Überzüchtung zur Folge hat.

Das zu der Forderung nach wissenschaftlichen Gutachten führende Argument von einigen Tierschutzorganisationen "die meisten Heimtiere leiden in Gehegen unter Stress" ist zudem wissenschaftlich nicht belegt: Wir geben zu bedenken, dass Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum massiv unter Stress stehen. Hunger, Fressfeinde, Rivalen, etc. tragen nicht zu einem entspannten Alltag bei. Dennoch scheint in der Argumentation das Leben in der Wildnis ein Paradies zu sein - das Gegenteil ist der Fall - , das Leben in Menschenobhut hingegen ein Leiden. Wer entscheidet, welcher Stress besser ist?

5) Totalverbote führen in die Illegalität

Undifferenzierte Totalverbote von bestimmten Heimtierarten können in die illegale, unkontrollierte, zum Teil tierschutzwidrige Anschaffung und Haltung von Tieren führen. In Norwegen hat ein Haltungsverbot von Reptilien zu einer illegalen, unkontrollierten Tierhaltung geführt.  

6) Heim- und Wildtiere

Begrifflich trennt die SPD zwischen Heim- und Wildtieren. In der Praxis besteht hier häufig kein Unterschied. Zu vielen Kleinsäugern und Terrarientieren wie zur Bartagame oder zum Leopardgecko entwickeln Tierfreunde ein ähnliches Verhältnis wie zu bekannten Heimtierarten wie Meerschweinchen: Die Tiere werden zahm und reagieren auf den Menschen.

Fazit und Vorschlag

Der ZZF lehnt die Positivliste als ungeeignetes Instrument zur Stärkung des Tier- und Artenschutzes für Heimtiere und als Heimtiere gehaltene Wildtiere ab. Der ZZF fordert gerade aus Tierschutzgründen, dass Tierfreunde in Deutschland aus einem möglichst breiten Spektrum die passende Art für die Heimtierhaltung aussuchen können. Eine Positivliste würde die Halter von weniger bekannten Heimtierarten wie zum Beispiel von Krokodilschwanzechsen, Baumwaranen oder Marmormolchen diskriminieren. Denn während zum Beispiel der Bewohner einer kleinen Wohnung einem Rottweiler nur bedingt ein artgerechtes Leben bieten kann, können sich zwei Bartagamen im Terrarium dieser Wohnung durchaus wohl fühlen.


Geeigneter als eine Positivliste für "genehmigte" Heimtiere sei eine Negativliste nach dem Vorbild der Heidelberger Beschlüsse des ZZF. Auf dieser stehen Tierarten, die als Heimtiere für Privatleute im üblichen Wohnumfeld nicht geeignet sind.


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