
Veranstaltungen – Parlamentarischer Abend
„Tierisch politisch“ 2026
Welchen Wert hat die Heimtierhaltung für unsere Gesellschaft?
Der ZZF lud am 8. September 2026 zum Parlamentarischen Abend nach Berlin ein. Im Haus der Bundespressekonferenz tauschten sich rund 100 Gäste, darunter mehrere Bundestagsabgeordnete sowie Tierschutzbeauftragte und tierpolitische Akteure sowie Vertreter aus Verbänden und der Heimtierbranche, über den Wert der Heimtierhaltung und über die Verantwortung für Heimtiere aus. Silvia Breher, Parlamentarische Staatssekretärin im BMLEH und Bundestierschutzbeauftragte, sprach das Grußwort bei der Veranstaltung „Tierisch politisch“.

Das Leben mit Heimtieren ist keine reine Freizeitaktivität, sondern ein wichtiger Teil unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens, machte ZZF-Präsident Norbert Holthenrich bei der Begrüßung deutlich. Als Familienmitglieder und „soziale Anker“ schenken Heimtiere Nähe, geben Halt und begleiten Menschen oft über viele Jahre. Ihre positiven Effekte auf Gesundheit und Psyche ihrer Haltenden sind in zahlreichen Studien belegt. Heimtiere seien jeodch, betonte Holthenrich, keine „Dienstleister unseres Wohlbefindens“, sondern eigenständige Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen: „Wir übernehmen Verantwortung, ohne eine Gegenleistung erwarten zu können. Was Tiere uns schenken, können wir nicht einfordern – wir können es nur dankbar annehmen.“
Diese Verantwortung für Heimtiere beginnt vor allem auch mit Sachkunde. Dass Wissen über ihre Bedürfnisse und eine tiergerechte Versorgung eine unverzichtbare Grundlage bilden, darüber herrschte beim Parlamentarischen Abend breiter Konsens. Für Holthenrich entsteht Sachkunde allerdings nicht durch einen Nachweis oder Fragebogen, sondern durch Vorbilder, durch Kontaktpunkte, die einen empathischen Umgang mit dem Tier vermitteln: „Wir brauchen mehr Tierwissen in Schulen, tiergestützte Pädagogik und tiergerechte Konzepte für Tierhaltung im Bildungswesen.“ Ein verpflichtender Sachkunde-Nachweis schaffe enorme Bürokratie, ohne dass damit automatische mehr Tierschutz erreicht würde.
Wir sollten den gesellschaftlichen Wert der Haltung künftig stärker in politische und wirtschaftliche Bewertungen einbeziehen.

„Tiere schaffen Nähe und Begegnung, sie leisten unfassbar viel in unserem Leben“, unterstrich Silvia Breher, Bundestierschutzbeauftragte und Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), in ihrer Gastrede. Sie dankte sowohl der Branche als Ansprechpartner für Tierhaltende und verantwortungsvollen Umgang mit Tieren als auch den anwesenden Verbänden für ihre Unterstützung verschiedener Tierschutzprojekte. Auch Breher sieht Sachkunde als essentiell für das Tierwohl, genauso wichtig sei die Aufklärung über Qualzucht-Merkmale und die Regulierung des Online-Handels. Die gerade in Kraft getretene EU-Verordnung zu Hunden und Katzen sei als „Gamechanger“ ein gutes Signal aus Brüssel.

Auf dem Podium tauschten sich Expertinnen und Experten aus zum Thema „Heimtiere stärken Gesundheit, Lebensqualität und gesellschaftlichen Zusammenhalt – welche Verantwortung folgt daraus?“
- Prof. Dr. Kurt Kotrschal, Verhaltensbiologe, Evolutionsforscher und Autor
- Julia von Gablenz, Regional President Europe & Middle East bei Zoetis und Vorsitzende des Bundesverbands für Tiergesundheit
- Dr. Holger Vogel, Präsident der Bundestierärztekammer und Amtstierarzt
- Heike Mundt, Gründerin und Geschäftsführerin des Papageienparks Bochum und des Vereins Papageien-Notresidenz e.V.
- Moderation: Antje Schreiber
Unsere Beziehung zu Tieren erläuterte Prof. Dr. Kurt Kotrschal aus evolutionsbiologischer Sicht: Als Säugetiere haben wir ein ähnliches soziales Mindset und die gleichen elementaren Emotionen. Für den Verhaltensbiologen, bekannt durch seine Forschung zu Wölfen, haben Menschen zwar ein Grundrecht, gut mit anderen Tieren zu leben, „aber Tiere auch ein Recht, gut mit uns zu leben.“
Wie Prof. Dr. Kotrschal hob auch Julia von Gablenz die positiven Effekte hervor: Heimtiere können bei Einsamkeit und Trauer helfen, Struktur und Sinn geben. Der Einfluss auf psychische und physische Gesundheit sei keine Einbahnstraße – auch Heimtiere profitierten davon, etwa durch eine bessere medizinische Versorgung. Vor diesem Hintergrund warb von Gablenz dafür, die Rolle von Heimtieren stärker in politischen Entscheidungen mitzudenken. Als konkrete Aufgabe nannte sie, Barrieren, mit denen Tierhaltende in ihrem Alltag konfrontiert sind, abzubauen, zum Beispiel beim Wohnen oder Reisen mit Heimtieren, in öffentlichen Räumen oder bei der Bezahlbarkeit von Heimtierhaltung.
Die Bedeutung von Heimtieren, individuell und als Stütze der Gesellschaft, sollte auch politisch stärker hervorgehoben werden.
Heike Mundt, Geschäftsführerin des Papageienparks Bochum, erlebt bei ihrer täglichen Arbeit, welche Lebens- und Herzensfreude die Begegnung mit Tieren auslösen kann. In ihrem Papageien-Café hat sie eine Begegnungsstätte zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und Tieren geschaffen. Wer Papageien privat halte, sollte sich allerdings vor der Anschaffung die lange Lebenserwartung der Tiere bewusst machen.
Für einen Sachkunde-Nachweis vor der Anschaffung von Heimtieren sprach sich Dr. Holger Vogel aus, um die gesellschaftliche Belastung durch mangelndes Wissen, Fehlkäufe oder Animal Hoarding sowie die Überlastung von Tierheimen zu reduzieren. Dass Sachkunde wichtig sei, bestätigte Heike Mundt, sie wies aber aus ihrer Erfahrung als Leiterin des Tierschutzvereins „Papageien-Notresidenz e.V.“ darauf hin, dass die Abgabe von Tieren auch auf die illegale Einfuhr ebenso wie auf Krankheit oder Tod des Tierhaltenden zurückgehe.
Das anschließende Get-Together bot den Gästen aus Politik, Verbänden, Handel und Industrie Gelegenheit, die Begegnungen des Abends für persönlichen Austausch und Vernetzung zu nutzen.
ZZF-Positionspapier „Gesellschaftlicher Mehrwert der Heimtierhaltung“
Die beim Parlamentarischen Abend diskutierten Themen greift der ZZF auch in seinem aktuellen Positionspapier auf. Darin formuliert unser Verband konkrete Vorschläge für eine tiergerechte, sozial ausgewogene und wissenschaftlich fundierte Heimtierpolitik:
Bildergalerie 2026

































