Geeignete Heimtiere?

Positivliste versus Negativliste

Jemenchamäleon
Die Eignung als Heimtier ist keine generelle Eigenschaft einer Tierart, sondern hängt im Einzelfall von den Erfahrungen und dem Fachwissen der Halterin oder des Halters ab.
Foto: Sascha Krampe / Panthermedia

Was ist eine Positivliste?

Eine allgemeingültige Definition zur Positivliste existiert noch nicht. In der Heimtierbranche wird unter der sogenannten Positivliste eine Liste mit solchen Tieren verstanden, deren Haltung, Zucht und Verkauf erlaubt ist. Befürworter der Erlaubnisliste halten sie für ein geeignetes Steuerungsinstrument für eine tierschutzgerechte Heimtierhaltung. Der ZZF lehnt die sogenannte Positivliste aus mehreren Gründen als ungeeignetes Instrument zur Stärkung des Tier- und Artenschutzes ab.

Die Eignung als Heimtier ist keine generelle Eigenschaft einer Tierart, sondern kann nur im Einzelfall in Abhängigkeit von den Erfahrungen und dem Fachwissen der Halterin oder des Halters, von den finanziellen Möglichkeiten, der Wohnsituationen sowie der Verfügbarkeit der erforderlichen Futtermittel und Haltungstechnik entschieden werden.

Im Unterschied zu einer Positivliste ist eine Negativliste seit Jahrzehnten ein wesentlich konstruktiveres und flexibleres Instrument, das den Tierschutz und Verbraucherschutz fördert und den Zoofachhandel in seiner verantwortlichen Beratung bei der Vermittlung von Heimtieren nicht einschränkt.

ZZF

Positivliste gefährdet Tierwohl

Der ZZF hält es im Gegenteil für möglich, dass die Einführung einer Positivliste aus folgenden Gründen das Tierwohl gefährden würde:

  • Eine Vielfalt der Arten in der Heimtierhaltung fördert den Tier- und Gesundheitsschutz. Es besteht das Risiko, dass eine Positivliste keine für bestimmte Lebens‐ und Wohnsituationen geeignete Tierarten beinhaltet und davon betroffene Heimtierhalter deshalb mit tierschutzrelevanten Konsequenzen auf für sie zwar ungeeignetere aber erlaubte Tierarten ausweichen. Für einen Singlehaushalt mit einer vielleicht eher kleinen Wohnung und bei Vollzeit-Berufstätigkeit wäre ein Terrarium mit dämmerungsaktiven Arten möglicherweise besser geeignet als beispielsweise ein Hund.    
  • Eine Positivliste könnte zu unerwünschten Folgen durch den Erwerb aus unkontrollierten Quellen (vgl. illegaler Welpenhandel) und in der Folge zu Tierschutzproblemen bei der Haltung von Heimtieren führen. Tiere, die am Zoofachhandel vorbei und über unprofessionelle Kurierdienste erworben sind, würden möglicherweise auch nicht dem Tierarzt vorgestellt.
Foto: Ulrike Schanz

Verhältnismäßigkeit der Maßnahme

Die Einführung einer Positivliste würde die Freiheit von Tierfreunden, eine Tierart auszuwählen, die sie tiergerecht halten können, massiv einschränken. Bislang gibt es keinen Beleg, dass die Einführung einer Positivliste den Tierschutz im Heimtierbereich fördern würde.

Der ZZF stellt daher in Frage, ob die Maßnahme verhältnismäßig wäre und einen so großen Eingriff in die Handlungsfreiheit und Entfaltungsfreiheit des Menschen rechtfertigt.

Umsetzbarkeit der Maßnahme

Sinnvolle Kriterien für die Aufnahme von Tierarten in eine Positivliste sind schwer aufzustellen und noch schwerer zu evaluieren. Wie wären gute Haltungsbedingungen zu definieren? Im Tierschutz fallen vor allem Hunde und Katzen auf, wenn sie von einigen wenigen Tierhaltern unbedacht angeschafft und abgegeben werden. Die komplexe Frage, welche Tiere für ein Zusammenleben mit dem Menschen geeignet sind, lässt sich mit dem Instrument der Positivliste nicht beantworten.

Artenschutz

Um den Handel mit Tierarten einzuschränken, die vom Aussterben bedroht sind, sind international und national umfangreiche Rechtsnormen erlassen worden, die alle auf dem Prinzip der Negativliste basieren. Der ZZF hält dieses Instrument für zielführend und ausreichend, um wildlebende Tier- und Pflanzenarten zu schützen.

Risiken der Heimtierhaltung

Tierhaltung, auch die Heimtierhaltung, ist grundsätzlich mit gewissen gesundheitlichen Risiken für den Menschen verbunden. Die Risiken sind aber durch sachkundigen Umgang mit den Tieren auf ein Minimum reduzierbar. Von welcher Art und Schwere eines Haltungsrisikos würde also die Aufnahme in eine Positivliste abhängig gemacht? Zielführender ist es, in einer Negativliste Tierarten aufzulisten, die aufgrund ihrer Kraft, Größe oder Giftigkeit auch bei sachkundiger Haltung besonders gefährlich für Menschen sein könnten. Im Unterschied zur Positivliste ist die Negativliste (Heidelberger Beschlüsse) des ZZF daher seit Jahrzehnten ein wesentlich konstruktiveres und flexibleres Instrument, das den Tierschutz fördert und gleichzeitig den Zoofachhandel in seiner verantwortlichen Beratung bei der Vermittlung von Heimtieren nicht einschränkt.

Dr. Stefan Hetz

Dr. Stefan Hetz

wissenschaftlicher Fachreferent

Welche Tiere eignen sich als Heimtier?