ZZF zum Versandhandel mit Tieren

Ein Tier per Klick im Internet kaufen?

Der ZZF hält es aus Tierschutzgründen für erforderlich, den Versandhandel mit Tieren und den Internethandel mit Tieren zu regeln. Die Anbahnung der Tieranschaffung über Internetportale ist sinnvoll, das Verschicken von und an Privatpersonen nicht.

Das Internet ist zu einem beliebten Vermittlungsmedium für Heimtiere geworden. Die meisten Anzeigen stammen von Privatpersonen, die Tiere abgeben müssen, Gelegenheitszüchtern und gewerblichen Züchtern. Auch Tierschutzorganisationen nutzen das Internet, um ihre Schützlinge zu vermitteln. Als Treffpunkte von Anbietern und Tierhaltern sind die Plattformen im Netz hilfreich. Gemäß unserer Skopos-Studie gilt das Netz für Tierhalter außerdem als wichtigste Informationsquelle zu den Bedürfnissen ihrer Tiere.

Der Versandhandel mit Tieren kann das Tierwohl gefährden. Folgende Risiken hat der ZZF bisher ermittelt:

  • Private Käufer haben keine Möglichkeit, die Tiere vor der Anschaffung in Augenschein zu nehmen. In jedem Fall müssten Versender Informationen zur tierschutzgerechten Haltung der Tiere herausgeben, wie es im Zoofachhandel vorgeschrieben ist.
  • Bei im Versandhandel erworbenen Tieren gilt ein generelles zweiwöchiges Rückgaberecht ohne Angabe von Gründen (Widerrufsrecht nach § 312d BGB). Gründe für eine Rückgabe können auch sein: Reklamation wegen Falschlieferung, schlechter Gesundheitszustand des Tieres.
  • Eine Abschaffung dieses Rechtes im Falle des Tierversands können wir nicht empfehlen, da ungewollte Tiere sonst ausgesetzt, ins Tierheim abgegeben oder möglicherweise nicht tiermedizinisch behandelt würden. Aus gleichem Grund ist aus Sicht des ZZF der Versand von Tieren von nicht‐gewerblichen Haltern oder Züchtern abzulehnen, da hier das Widerrufsrecht nach § 312d BGB nicht gilt.
  • Private Tierhalter sind in der Regel nicht in der Lage, Tiere tierschutzgerecht zu verpacken und mit spezialisierten Tier‐Kuriersystemen mit tierschutzrechtlicher Zulassung zu versenden oder zurück zu schicken. Sie erfüllen kaum die Kriterien des Artikels 3 Buchst. e) der EU‐Verordnung 1/2005 oder die Bestimmungen des § 7 der Tierschutztransportverordnung.
  • Laut Tierschutztransportverordnung und übergeordneter EU Verordnung 1/2005 muss die Transportfähigkeit der Tiere gewährleistet sein. Jeder Ver‐ und Rücksender muss demnach in angemessener Weise geschult oder qualifiziert sein, um den Gesundheitszustand des Tieres einzuschätzen.
  • Laut § 7 Abs. 1 Satz 3 der Tierschutztransportverordnung muss jeder Versender den Empfänger über die Ankunftszeit der Sendung informieren.

Vor diesem Hintergrund müsste eine Regelung des Versandhandels mit Tieren den aktuellen Besitzer des Tieres (z. B. privaten Empfänger einer Tier‐Sendung) dazu verpflichten, Tiere ggf. in tierärztliche Versorgung zu geben. Der Versandhändler müsste dazu verpflichtet werden, eine tierschutzrechtlich konforme Verpackung und Abholung der Tiere beim Endkunden sicher zu stellen.

Identifikation im Onlinehandel mit Tieren

Der ZZF hält es für notwendig, dass Internetplattformen keine illegalen Angebote veröffentlichen: Dazu zählen qualgezüchtete Tiere sowie nach EU-Recht als invasiv eingestufte Arten und Angebote ohne Ausnahmegenehmigungen bei artgeschützten Tieren. Die Anbieter von Tieren sollten sich verpflichtend gegenüber der Online-Plattform ausweisen. So können Plattformbetreiber bei Problemen hinsichtlich des Tierwohls, Arten- oder Seuchenschutzes direkt mit den Anbietern Kontakt aufnehmen. Es ist Anbietern dann nicht möglich, unter mehrfachen Identitäten Tiere zu verkaufen und damit der Einstufung als gewerbsmäßige Händler zu entgehen. Um die Umsetzung dieser Ausweispflicht muss sich der Betreiber kümmern - unter Beachtung des Datenschutzes.

Privatpersonen, die ihre Tiere abgeben müssen, sowie gelegentliche Vermehrer von Tieren, die nicht planmäßig gewerblich züchten, sollten ohne große bürokratische Hürden Tiere anbieten können. Anderenfalls würden Tierauffangstationen unnötig belastet.

Nein zum Versandhandel mit Tieren

Aus Gründen des Tierwohls empfiehlt der ZZF auch für die Vermittlung von Heimtieren im Internet eine persönliche Übergabe und Beratung. Das Verschicken der Tiere durch Privatpersonen lehnt der ZZF ab, weil Tiere über spezialisierte Kuriersysteme mit tierschutzrechtlicher Zulassung versandt werden müssen. Das bieten nicht mehr alle Kuriere für Privatpersonen an. Private Tierhalter sind in der Regel nicht in der Lage, Tiere tierschutzgerecht zu verpacken und den Gesundheitszustand der Tiere einzuschätzen.

Dr. Stefan Hetz

Dr. Stefan Hetz

wissenschaftlicher Fachreferent

Tierhandel

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